Freitag, 8. Februar 2013

Sexismus

Sexismus in der Werbung

„Sexismus ist allgegenwertig.“
„Sexismus ist Geschmackssache.“
„Sexismus spielt keine Rolle. „

Meinungen zu diesem Thema gibt es viele, doch ein Aspekt hat dabei Konstanz: Sexismus wird immer nur aus femininer Sicht betrachtet und die Übeltäter / Initiatoren / Nutznießer / Lüstlinge sind stets die Männer.
Kaum jemand schenkt jedoch dem Sexismus gegen Männer seine Aufmerksamkeit. Dafür mag es verschiedene Gründe geben.
• Erklärungsversuch 1: Sexismus gegen Männer gibt es nicht! (glaub ich nicht)
• Erklärungsversuch 2: Männer trauen sich nicht gegen Sexismus aufzubegehren, weil sie sonst unmännlich wirken oder nicht ernst genommen werden.
• Erklärungsversuch 3: Männern ist es schlichtweg egal.

Die letzten Beispiele für Sexismus
In den letzten Wochen wurde Sexismus in der Werbung wieder heftigst diskutiert

Die Anfang Februar beim Österreichischen Werberat anhängigen geschlechterdiskriminierenden Verfahren handeln übrigens allesamt nur von Sexismus gegen Frauen.

Auch das „Profil“ hat in seiner Ausgabe vom 26. November 2012 gegen ein Werbeplakat eines österreichischen Modetrachtenherstellers(http://www.adiweiss.at/content/austro-promis-im-wald) heftigst gewettert: Die Rede ist dabei von einer „breitbeinig posierenden Frau (in Damenrock kurz“ […] und Ketten) sowie einem mit Motorsäge in Schritthöhe vor ihr postierten Mann […]. Kritisiert wird, dass der von der Agentur vorgegeben kommunizierte Aspekt von Witz und Tradition, bei dem eine Umweltschützerin einen Baum vor dem Gefälltwerden schützen möchte nicht gesehen wird, sehr wohl aber Gewaltfantasien.

Als unsexistischer Betrachter des Sujets kämen mir vor den seitens des Magazins nahe gelegten Gewaltfantasien noch andere Erklärungsversuche. z.B. dieser:
Frei nach der Robin Hood-Verfilmung mit Kevin Costner bei der Lady Maryan bei der versuchten Vergewaltigung nach der erzwungenen Eheschließung mit dem Sheriff von Nottingham sagt: „Nimm diesen Körper, aber niemals bekommst du mich.“ In dem affichierten Plakat verteidigt die Frau den Baum mit ihrem Körper – kann man noch mehr für seine Werte eintreten? Mir fällt da dann eher „Respekt“ als „Sexismus“ ein.

In den letzten Tagen hat nun die Bier-Fan-Arena bei der Ski-WM in Schladming mit markigen Après-Ski-Slogans die Aufmerksamkeit auf sich gezogen (Debatte samt amüsanter Erklärungsversuche nachzulesen auf (http://futurezone.at/digitallife/13907-sexistische-wm-party-werbung-erzuernt-twitteria.php).

Sexismus gegen Männer
Was ist aber mit männerfeindlicher Werbung?
Ihr denkt, die gibt es nicht? Weit gefehlt. Betrachten wir einmal eines der letzten Plakate der EVN.
Zu sehen ist eine Frau, die am Heizungsthermostat dreht und einen Mann anblickt, der sich gerade die Kleider vom Oberleib zieht. Dazwischen steht der Slogan „Für eine schöne Aussicht sorgen. Die EVN ist immer für mich da.“
EVN-Werbung

Was würde dieses Bild aussagen, wenn Männer hinsichtlich Sexismus (über)sensibel wären:
• Ist ein Mann nur gutaussehend, wenn er (halb)nackt ist?
• Das Gesicht wird von seinem Shirt bedeckt – trägt ein verdecktes Gesicht auch zum guten Aussehen eines Mannes bei?
• Die Frau ist im Bild am Drücker – sie hat die Macht und Gewalt in ihrer Hand. Konkret ist das, was sie in der Hand hat der Heizungsregler – interessanterweise in Phallusform –was sagt das über die gleichberechtigte Sexualität aus?
• Der Mann ist durch das hochgezogene T-Shirt quasi gefesselt und blind – die Frau kann so etwaige Bondage Phantasien ausleben, in denen der Mann hilflos ausgeliefert ist – er muss blind gehorchen und weiß nicht, was (mit) ihm geschieht.
• Die Frau steht mit lüsternem Blick da, und hat die totale Kontrolle über das Geschehen, während der Mann Untertan ist.

Ich persönlich kann über dieses Sujet schmunzeln, aber undenkbar, dass dieses Werbeplakat mit vertauschten Geschlechterrollen affichiert wäre –der EVN wäre nicht nur ein Aufschrei der Web-Community, sondern auch eine Anzeige beim Werberat gewiss…
Mit jeglicher weiteren Interpretation möchte ich an dieser Stelle den geneigten Leser alleine lassen und ausnahmsweise kein abschließendes Schlussresume mehr ziehen

robehode (gerade an dieser Stelle sollte ich vielleicht für neue Leser auf die Erklärung meines nicknames unter der Kategorie „About“ – Beitrag „Who is“ verweisen. Denn robehode hat nichts mit den männlichen Testikeln zu tun, sondern mit einer altenglischen Schreibweise für Robin Hood. (Ein wenig polemisch: Wenn der übersensible Mensch immer nur sieht, was er sehen will, bleibt ihm die Realität mitunter verborgen.)

Freitag, 1. Februar 2013

Nichtraucherschutz

Seit einigen Jahren haben wir in Österreich ein mehr oder weniger strenges (um nicht zu sagen lächerliches) Nichtrauchergesetz. Bei diesem wird medial, öffentlich und auch privat heftigst diskutiert, ob es nun zu weit geht, oder zu milde ist. In der Praxis erscheint es wie so oft österreichisch-halbherzig – vor allem was die Nichtraucherzonen in der Gastronomie anbelangt – und darüber zanken sich die meisten Gemüter.

Tatsache ist jedenfalls, dass das Thema des Nichtraucherschutzes kein alleine österreichisches, sondern ein internationales ist. Ebenso tatsächlich ist der Fakt, dass der Schutz der Nichtraucher im globalen Vergleich überall anders zu funktionieren scheint. Meine letzten Reisen haben mich unter anderem nach London oder nach München geführt. In der britischen Metropole inmitten der alteingesessenen verrauchten Pubs war wenige Monate nach dem generellen (!) Rauchverbot weder ein Verstoß noch eine große Aufregung darüber feststellbar. Die Leute genossen auch weiterhin ihre Biere im Pub und gingen bei Bedarf gelegentlich vor die Türe. Ebenso in München – selbst der Barbesitzer oder der Kellner haben sich auch noch zu mitternächtlicher Stunde in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen kurz entschuldigt um an der frischen Luft ihrer Sucht zu fröhnen.

Rauchfreie Lokal? Nicht bei uns!
Anders in Österreich. Nicht nur, dass wir es nicht geschafft haben uns gesetzlich zu einem generellen Rauchverbot durchzuringen, kontrollieren wir auch die Einhaltung des halbherzigen Kompromisses so gut wie gar nicht. Selbst wenn einmal jemand dagegen aufbegehrt und entweder die Gesetzesbrecher ermahnt oder im schlimmsten Fall zur Anzeige bringt, wird er mehr oder weniger heftig zum Schweigen gebracht. Warum? Weil auch der Justiz und den Strafverfolgungsbehörden die Angelegenheit herzlich egal ist. Da werden Lokale akzeptiert, die entweder keinen, einen zu kleinen oder einen räumlich nicht ausreichend getrennten Nichtraucherbereich haben.

Rauchverbot am Bahnsteig? Sonst noch Wünsche!
Auch an anderen öffentlichen Plätzen, wie beispielsweise Bahnhöfen nimmt es keiner mit dem Rauchverbot wirklich ernst. Täglich in der Früh betrete ich die örtliche Bahnunterführung und inhaliere gezwungenermaßen intensiven Passivrauch. Auch am Bahnsteig stehen die süchtigen SchülerInnen und stärken ihre Abwehrkräfte mit gefilterter Luft. Seelenruhig nimmt mittlerweile keiner mehr davon Notiz – selbst die Zugbegleiter genehmigen sich mitunter bei einem längeren Aufenthalt in einer Station am Bahnsteig eine Zigarette.
Würde ich darauf Einzelpersonen ansprechen erhalte ich sicher kein Verständnis oder sogar eine Entschuldigung, sondern im besten Fall nur ein blaues Auge.

Das gesetzliche Rauchverbot erfährt somit einen in Österreich bis dato in dieser Ausprägung unbekannt breit tolerierten Rechtsverstoß. So muss man sich schon fragen, in welcher Bananenrepublik wir eigentlich leben.

robe

PS: Und so bleiben solche Initiativen: http://www.nichtraucheninlokalen.at/ leider die lobenswerte Ausnahme.
Und der oberste Rauchersheriff (www.rauchersheriff.at) muss sich wohl oft wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen fühlen.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Volksbefragungsausgang

Nun dauert es nur noch wenige Tage bis das traurige Kapitel der Wehrpflichtvolksbefragung endlich zu Ende ist.
Heute betätige ich mich prophetisch und sage den Ausgang der Abstimmung voraus:

Die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen wird sich für die Beibehaltung der Wehrpflicht und des Zivildienstes aussprechen.

Dieser Ausgang wird nicht sehr überraschend sein, denn die Abstimmung kann nur so ausgehen, da es eine Vielzahl an Personengruppen gibt, die für die Beibehaltung des bisherigen Systems sind:
• Diejenigen, die beim Heer waren, denken sich mehrheitlich „Ich hab müssen, jetzt sollen die anderen auch“;
• Diejenigen, die den Zivildienst gewählt haben, glauben tatsächlich der Sozialstaat würde ohne Zivis untergehen und halten an der Wehrpflicht um des Zivildienst Willen fest;
• Die ältere Bevölkerung hat Angst vor einem Krieg und glaubt ernsthaft, ein Heer könnte sie beschützen;
• Die mittelalte Bevölkerung schätzt (ausgehend von der Kampagne der NÖ Volkspartei) das Heer für den Katastrophenschutz;
• Die Rettungsorganisationen und auch das aktuelle Bundesheer wollen am bestehenden System fest halten (Veränderungen führen immer zu Ängsten) und werben entsprechend dafür;

Entscheidend ist aber auch das Stimmverhalten der Frauen. Dass diese überhaupt auch abstimmen dürfen, halte ich aus Gleichberechtigungssicht ohnehin für bedenklich, da sie bloß Berechtigte, nicht aber Verpflichtete des bisherigen Systems sind. Auch die wenig ernstzunehmende, propagandistische Panikmache, die vor einer Einführung der Wehrpflicht für Frauen warnt, wird am Stimmverhalten der Frauen nicht großartig etwas ändern:

• Frauen begrüßen das bisherige System, da es sie nicht belastet, aber sowohl im Katastrophenfall als auch im Krankheits-/Sozialfall begünstigt;
• Jüngere Frauen haben die Hoffnung, dass das Bundesheer aus jungen Burschen artige, haushaltstaugliche Männer macht;

Und wer sollte also bitte gegen die Wehrpflicht und somit für das Berufsheer sein? Es fehlen die stimmgewaltigen Bevölkerungsgruppen! Die wenigen Menschen, die für eine objektive, faire Betrachtung (meine subjektive Einschätzung) bereit sind und die Sinnlosigkeit erkennen, werden nicht reichen. Ebenso wenig werden die 16, 17 jährigen Burschen den Ausschlag geben, die sich noch einem künftigen Wehrdienst/Zivildienst entziehen wollen.

Dass die Stimmung in der Bevölkerung, die lange Zeit mehrheitlich contra Wehrpflicht war, überhaupt gekippt ist, liegt an dem genialen Schachzug der ÖVP die Abstimmung mit dem Zivildienstsystem zu vermengen. Ab diesem Zeitpunkt hat die SPÖ und somit Darabos verloren. Inhaltlich ist es einfach Schade, dass dieser Kompromiss eingegangen wurde, denn es gibt in Österreich laut Verfassung nun einmal nur eine Wehrpflicht und genau darüber und über nichts anderes hätte abgestimmt werden sollen.

Also gibt’s auch die nächsten 30 Jahr ein sinnloses Händchen an die Mütze halten...
robe

Montag, 14. Januar 2013

Zitat - Anstand und Moral

Weil’s heut so schön zur Verurteilung des Spitzengeheimdienst-Undercover-Agenten-Weltverbesserers Ernst Strasser passt:

„Ich habe Leute gesehen, die mit viel Moral Böses taten, und ich stelle täglich fest, dass die Anständigkeit keiner Regeln bedarf.“
So ein Zitat aus Albert Camus‘ „Der Mythos des Sisyphos“

Es gibt ja immer wieder die netten Vergleiche hinsichtlich des Umfangs der Zehn Gebote, der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und einer beliebigen aktuellen Gesetzesnorm (zumeist wird eine EU-Norm als Vergleichsmaßstab herangezogen).
Während Erstere mit zwei Steintafeln auskamen, benötigte Zweitere nur wenige Seiten und Letztere füllt mitunter mehrere Bücher. Würde man beispielsweise den Kommentar zum Vergaberecht betrachten, sind mehrere Bände nötig um ihn im vollen Umfang darzustellen.

Welchen Nutzen hat diese Quantitätserweiterung? Im Vergaberecht (er)findet man immer neue Regelungen, doch der damit bezweckte Regelungsgegenstand wird dennoch nicht fairer, transparenter oder gerechter.
Ich bin ja beinahe versucht zu sagen, je korrupter, unanständiger, fehleraffiner etc. ein Bereich ist, desto genauer ist er geregelt – oder umgekehrt: je dichter die Regelung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich „schlechte“ Menschen in diesem Bereich tummeln (und durch noch so viele Regelungen nicht geläutert oder gezähmt werden können).
Wichtig erscheint mir jedoch der letzte Aspekt von Camus, wonach die Anständigkeit keiner Regeln bedarf. Die Zehn Gebote sollten für Katholiken unverändert heute noch Gültigkeit haben (und „gute“ Menschen bräuchten nicht einmal diese zehn Regeln um zu wissen, was richtig ist und was nicht).

Auch in anderen Bereichen trifft dies zu:
Wenn im Straßenverkehr andere Menschen gefährdet werden, dann ist es nur logisch, nicht mit über 100km/h durch ein Ortsgebiet zu fahren. Wenn beispielsweise das Urteilsvermögen dadurch getrübt wird, dann haben Beamte, Amtsträger oder ähnliche keinen Vorteil anzunehmen. Wenn andere dadurch (potenziell) geschädigt werden, dann sollte man nicht mit öffentlichem Geld spekulieren. Wenn dadurch ein anderer Mensch in seiner Selbstbestimmtheit beeinträchtigt wird, dann vergreift sich ein Geistlicher nicht an einem Zögling. Und so ließen sich noch viele weitere Beispiele aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen finden...
robe

Donnerstag, 10. Januar 2013

ÖVP-Frauenbild

Das Frauenbild der ÖVP in Zeiten der Wehrpflichtdebatte

In den letzten beiden Tagen haben Spitzenpolitiker der ÖVP mit interessanten Statements zur Wehrpflicht aufhorchen lassen, die vor allem ein interessantes Bild der Genderpolitik zeigt.

Pflichtorientierter Vizekanzler
Zum einen hat Vizekanzler Spindelegger die Wehrpflicht unter anderem mit dem Bestehen der Schulpflicht und der Steuerpflicht begründet. Dabei ist eben darauf hinzuweisen, dass die beiden Letzten für alle Bevölkerungsteile gelten, die Erstgenannte aber nur für eine Hälfte – nämlich die Männer.
Auch das Selbstbild der politischen Tätigkeit finde ich dabei spannend. Politiker sollten doch als Exekutivorgane im Unterschied zu Verwaltungsmitarbeitern tatsächlich gestalten und nicht nur den Status quo einzementieren. Es ist somit durchwegs denkmöglich, dass solche Pflichten erweitert oder eben reduziert werden:
Vielleicht wäre in einem Staat auch eine Führerscheinpflicht überlegenswert (weil es zB gut für die Persönlichkeitsentwicklung ist, Verantwortung im Straßenverkehrt zu übernehmen, oder überhaupt wichtig ist die Verkehrsregeln zu lernen). Denkbar wäre auch eine Bewegungs/sportpflicht oder generelle Verpflichtung zu einem gesunden Lebensstil im Interesse des Sozialstaates. Verschiedenste Vorschriften greifen schließlich im Allgemeininteresse in private Lebensbereiche ein. Die Gurtenpflicht sei hier als Beispiel genannt –also könnten wir auch über ähnliche Dinge nachdenken.

Innenministerin auf Abwegen?
Noch spannender fand ich jedoch das Frauenbild von Innenministerin Mikl-Leitner und ihre offenkundige Einstellung zur Gleichberechtigung: Sie hat mit dem Vorschlag aufhorchen lassen, den Zivildienst künftig auf freiwilliger Basis auch für Frauen zu öffnen. Da drängen sich bei mir viele Fragen auf:
• Warum soll für Frauen (die ja laut Meinung Vieler ohnehin weniger als Männer verdienen) ein Beschäftigungsfeld, in dem sie nur ein paar Hundert Euro verdienen können, geschaffen werden, wenn sie für die gleiche Tätigkeit bei der bezahlten Sozialjahrvariante 1400 Euro verdienen könnten?
• Warum sollen Frauen dieselbe Tätigkeit freiwillig ausüben dürfen, die Männer verpflichtend machen müssen?
• Welche Konsequenzen ergeben sich, wenn Frauen nach ein paar Tagen oder Wochen die Lust am Zivildienst verlieren (etwa weil sie ein gutes Jobangebot erhalten haben)? Dürfen sie jederzeit aussteigen oder werden sie zur Weiterarbeit gezwungen?
• Dürfen sich Frauen ihren Dienstort aussuchen und können so etwa verweigern beispielsweise bei der Rettung zu arbeiten, weil sie lieber in einem Pflegeheim tätig wären, während Männer nehmen müssen was sie bekommen – wär ja echt emanzipiert.
• Werden Frauen bevorzugt zeitlich zugeteilt, während Männer auf die ohnehin knappen Zivildienststellen noch länger warten müssen und so wertvolle Zeit am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verlieren?

Sehr geehrte Frau Innenministerin, vielleicht denken Sie über Ihre Idee vielleicht noch einmal kurz nach...

robe

Samstag, 5. Januar 2013

Wehrdienstdebatte

Meine Gedanken contra Wehrpflicht

Ausgangslage
In den letzten Monaten wurde vortrefflich über die Vor- und Nachteile der Wehrpflicht und des Berufsheeres diskutiert. Mit keinem Wort wurden dabei aber die Aktivitäten des aktuellen Freiwilligenheeres in Frage gestellt.
Zuletzt hat Wiens Bürgermeister Häupl für den Fall der Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht eine grundlegende Reform gefordert. Dieser Schwenk, um die bevorstehende Niederlage schön zu reden ist zwar nett, doch inhaltlich absolut unrealistisch. Wenn in zwei Wochen das Votum gegen ein Berufsheer über die Bühne gegangen sein wird, bedeutet dies, dass beim Österreichischen Bundesheer in den nächsten Jahrzehnten so ziemlich alles beim alten bleiben wird.

Was ist schlecht am aktuellen Bundesheer?
Ketzerisch würde ich sagen: so ziemlich alles. Ein wenig konkreter geht es mir jedoch um folgendes: Ein militärisches Bedrohungspotenzial, wie es derzeit beim Heer geübt wird, ist nicht mehr zeitgemäß und nicht zu erwarten. Für die potenziellen realen Bedrohungsszenarien ist eine Armee aus Wehrpflichtigen nicht nötig (geeignet) und diese zu bekämpfen wird auch nicht geübt.
Jene sinnvollen Aufgaben, die das Bundesheer derzeit im Katastrophenfall leistet, können anderen Organisation übertragen werden (siehe unten Zivilschutz). Und wenn jetzt jemand meint, man muss die Wehrpflicht erhalten, weil die Rekruten bei Skirennen immer so brav helfen die Piste zu präparieren, dann kann dies wohl kein ernstgemeintes Argument für diese Zwangsarbeit sein. Der Anteil der Wehrdienstzeit, bei der Rekruten tatsächlich „arbeiten“ und nicht bloß sinnlosen Krieg üben, Material putzen, im Kasernenhof herumexerzieren und sonst wie das System erhalten, ist verschwindend gering. Tatsache ist daher, dass die eigentlichen Heeresaufgaben von einer Profiarmee besser ausgeübt werden könnten.
Die traurige Realität bedeutet aber: Die Abstimmung im Jänner 2013 wird für eine Beibehaltung der Wehrpflicht ausgehen und damit ist jegliche Aufgabendiskussion für die kommenden Jahrzehnte vom Tisch und es kann dort in Ruhe sinnlos wie bisher weitergewurstelt werden.

Zeiteinsatz
Die Wehrdienstzeit wurde in den letzten Jahrzehnten sukzessive auf neun, acht und schließlich sechs Monate verkürzt (und diese Verkürzung wurde stets allgemein bejubelt!). Sechs Monate Präsenzdienst sind allerdings nicht einmal für das Bundesheer sinnvoll – kaum sind die Rekruten ausgebildet, sind sie schon wieder weg. Die allgemeine Basisausbildung (inklusive Gehirnwäsche) dauert sinnvollerweise 4-8 Wochen; danach folgt über mehrere Wochen die spezifische Ausbildung zum Sanitäter, Funker, Pionier oder für irgendeine Waffengattung – wieviel Zeit bleibt dann noch für die „sinnvolle“ Verwendung im System? Auch Minister Darabos hat in seinem Konzept „Berufsheer neu“ die Ausbildungszeit mit rund sechs Monaten veranschlagt.
Wenn die zeitliche Länge des Wehrdienstes schon bis zur Sinnlosigkeit verkürzt wurde, warum geht man dann nicht auch den logisch konsequenten Schritt und schafft ihn gänzlich ab?

Emanzipation: Frauen zum Heer/Zivildienst
Bei der ganzen Diskussion wurde nur ganz kurz der Gedanke der Gleichberechtigung aufgebracht. Dies allerdings nur im Sinne der Schlechterbehandlung von Männern. Landeshauptfrau Burgstaller hat sinngemäß gemeint, ein paar Monate Vaterlandsdienst würde Männern nicht schaden. Nunja – würde er nicht auch Frauen guttun? In der Realität führt die Wehrpflicht dazu, dass Männer erst später ins Berufsleben einsteigen und Geld verdienen können. Somit liegt eine tatsächliche wirtschaftliche Benachteiligung aufgrund einer geschlechtsbedingten Diskriminierung vor.
Ich möchte mich jetzt nicht mit der weiblichen Reichshälfte anlegen – zumal gerade eine sehr gute Fraueninitiative gegen die Wehrplicht läuft (http://frauen-fuer-ein-berufsheer.at/). Aber warum ist eigentlich niemand auf die Idee gekommen die Wehrpflicht auch für Frauen einzufordern? (Anmerkung: juristisch ist es leider nicht möglich für Frauen einen verpflichtenden Zivildienst mit der Option auf Wehrdienst einzuführen, daher müssten Frauen zum Wehrdienst verpflichtet und ihnen der Zivildienst als Opt-Out Alternative angeboten werden).

Zivilschutz
Gerne propagiert wird, dass in Österreich ohne ein Wehrpflichtigen-Bundesheer ein Katastrophenschutz nicht mehr möglich wäre. Dabei stellen sich verschiedene Fragen:
1. Warum bitte können diese Aufgaben nicht durch das künftige Berufsheer großteils (vielleicht sogar besser im Sinne von eben professioneller) übernommen werden?
2. Wäre die Erledigung vieler Aufgaben nicht auch gleichwertig durch einen adaptieren Zivilschutzverband und ein aufgewertetes Feuerwehrwesen durchwegs denkbar?
3. Österreich ist ein Land der Freiwilligen und Menschen sind gern bereit, im Ernstfall zu helfen. Dies zeigt sich auch in dem großen Zulauf, den das vor einigen Jahren gegründete „Team Österreich“ erhalten hat. Die Menschen wären bei Hochwasserkatastrophen sicherlich bereit Sandsäcke zu füllen und würden nicht tatenlos zusehen, wenn ihre Nachbarn nicht nur sprichwörtlich ertrinken.

Zivildienst
Der österreichische Sozialstaat würde also ohne den Zivildienst nicht nur zu Grunde gehen, sondern die Menschen würden auch zu Tausenden auf der Straße sterben, weil kein Rettungswagen käme? Zugegebenermaßen zugespitzt, kann ich die zu Grunde liegende Angst dennoch nicht nachvollziehen. Ein kleiner Verweis auf die Vergangenheit (als es den Zivildienst noch nicht in so ausgeprägter Form gab), auf andere EU-Staaten (die keine Wehrpflicht (mehr) haben und somit auch mit einem anders organisierten und strukturierten Rettungswesen das Auslangen finden) und das künftig als Ersatz angedachte bezahlte freiwillige Sozialjahr lassen mich auf ein Weiterbestehen unseres Sozialsystems hoffen.
Außerdem sei angemerkt, dass die Entwicklung des Zivildienstes auch in Österreich bereits interessante Wandlungen erfahren hat. Zum einen, hat bei der Verkürzung der Zivildienstzeit von zwölf auf neun Monate niemand aufgeschrien, dass nun ¼ des Sozialstaates zu Grunde gehen würde.
Weiters möchte ich daran erinnern, dass es beim Zivildienst stets eine sehr lange Wartezeit gab und diverse Organisationen immer beteuerten, beim besten Willen nicht noch mehr Zivi-Personal zu benötigen. Dies ist eine Argumentationshaltung die ich nicht ganz nachvollziehen kann: Auf der einen Seite gibt es (mehr als) genug Zivildiener. Auf der anderen Seite brauche ich Zivildiener ganz dringend um die Sozialleistungen des Landes aufrecht zu halten (und wenn ich diese Ressourcen nicht mehr hätte, würden eben Leute auf der Straße sterben). Warum wollen die Blaulichtorganisationen dann nicht noch mehr Zivildiener? Wenn die aktuell große gut fürs System ist, müsste doch eine größere Zahl noch besser sein (soweit eine zugegenermaßen trivialisierte Überlegung).
Und zuletzt darf man die Augen auch nicht davor verschließen, dass es im Zivildienstbereich sehr viele Personen gibt, deren Zeit durch lange Stehzeiten, Spazierfahrten oder sonstiger Beschäftigungstherapien geprägt ist. Es wäre also nicht nötig, jede Zivildienststelle 1:1 mit einer anderen Person zu besetzen. Ich wage also zu behaupten, dass die tatsächlich systemrelevanten Zivildiener (in Vollbeschäftigungsäquivalenten) relativ problemlos durch entsprechendes Personal, das sich für das bezahlte Sozialjahr entscheidet, kompensiert werden könnte. Im Übrigen gelobe ich hiermit öffentlich, dass ich mich für den Fall, dass die Abstimmung am 20. Jänner contra Wehrplicht ausgeht, am nächsten Tag als freiwilliger Sanitäter beim Roten Kreuz melden werde.

Kosten
Im Mittelpunkt der parteipolitisch motiviert geführten Diskussion stehen die Kosten des bestehenden und des künftigen Heeres. Natürlich ist Geld nicht nur in Zeiten der Budgetkrise knapp, doch sollte zuerst überlegt werden „Was will ich / Was brauche ich“. Wenn die nötigen Aufgaben durch ein Berufsheer besser erledigt werden können, als mit der Wehrpflicht, warum darf es dann nicht auch ein bisschen mehr kosten?
Als kleinen Input für die Kostenrechnung und eine Kosten-Nutzen Analyse lade ich ein, über folgende Parameter im Fall der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht nachzudenken:
• Erlöse durch die Schließung und den Verkauf quantitativ nicht mehr benötigter Kasernen;
• Reduktion der Infrastrukturkosten aufgrund eines geringeren künftigen Bedarfs an Massengütern wie Uniformen, Waffen, Kaserneninfrastruktur und sonstigem Material;
• gesteigerte volkswirtschaftliche Produktivität (hat schon einmal jemand versucht die vergeudete Produktivität junger Männer, die für mindestens 6 Monate für die Zivilgesellschaft wegfallen, zu bewerten?);
• Kosten und Folgekosten durch Unfälle (nicht nur direkt beim Bundesheer, sondern vor allem bei der An-/Abreise zu/von der Kaserne) – kaum ein Jahr vergeht, wo nicht einige Grundwehrdiener auf der Straße ihr Leben lassen. Interessant ist, dass das Bundesheer mit seinen Wehrpflichtigen in den letzten 20 Jahren wohl kaum ein Menschenleben gerettet, dafür aber viele gefordert hat.

robe

Zitat - Robin Hood

In der Verfilmung mit Russell Crowe dreht sich die Legende um folgenden Satz: „Sich erheben immer und immer wieder, bis aus Lämmern Löwen werden.“
In der von mir wahrgenommenen Alltagswelt gibt es bereits viele Löwen, die jedoch domestiziert werden müssen – sprich von der Gesellschaft, dem System oder wem auch immer mit mehr oder weniger expliziten Gewalt „auf Linie“ gebracht werden. Insofern hieße der Satz: „Sie prügeln immer und immer wieder, bis aus Löwen Lämmer werden.“
Ich für meinen Teil versuche mich so wenig wie möglich prügeln zu lassen und selbst wenn – wehre ich mich auch weiterhin zu einem in der Menge blökenden Lamm zu werden.
robehode

Freitag, 4. Januar 2013

Gehaltsverhandlungen

Jedes Jahr rund um den Jahreswechsel wird es für den Großteil der arbeitenden Bevölkerung spannend, wenn sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter gemeinsam in eine Enklave begeben und die kollektiv(vertraglich)en Gehaltsanpassungen ausschnapsen. (Dass dabei mitunter auch Schnaps und sonstige lukullischen Genüsse nicht zu kurz kommen, und die beiden Parteien alles andere als erbittert gegeneinander vorgehende Gegner sind, mögen nur böse Gerüchte sein.)
Jedes Jahr freue ich mich wieder auf das Ende dieser Verhandlungen. Damit stehe ich zwar nicht alleine da, doch sind meine Motive eher ungewöhnlich. Manch einer mag froh sein, endlich eine (gutes) Ergebnis vorliegen zu haben, manch einer freut sich, dass wieder (wann nicht) eine Einigung erzielt wurde. Ich aber freue mich darüber, wie beide Seiten medial erklären, dass sie genau das bekommen haben, was sie wollten. Und jedes Jahr frage ich mich wieder, warum das dann solange gedauert hat. Zuletzt hat der Handel im Dezember 2012 sechs!! Runden gebraucht, nur damit danach sowohl die Gewerkschaftler als auch die anderen Gschaftlhuber erklärten, dass sie überglücklich mit dem Kompromiss sind. Die korrekte Frage des Journalisten müsste in diesem Moment lauten: „Und was haben sie dann bei den ersten fünf Runden gemacht? Wenn sie eh mit dem glücklich sind, was sie bekommen haben, warum haben sie dann mehr gefordert als sie brauchten/wollten?“ Vergeblich warte ich auf solche demaskierenden Fragen – insofern ist meine Freude über den Abschluss stets etwas getrübt.

Neugebauer mein Held
Den Vogel abgeschossen hat der oberste Schutzpatron der öffentlich Bediensteten. Zu Jahresende 2011 (mitten in der auch im öffentlichen Bereich allgegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise) wurde großartig kämpferisch erklärt, dass jeder Abschluss unter 3% sicher nicht akzeptiert werden würde. Der Befehl wurde mehr oder weniger brav befolgt und nach dem Abschluss lag ihm die gesamte öffentliche Heerschar wieder dankergebenst zu Füßen. Nur wenige Wochen des neuen Jahres 2012 vergingen und plötzlich musste das nächste öffentliche Sparpaket geschnürt werden. Plötzlich verkündete die selbe Person vollmundig, dass natürlich auch der öffentliche Dienst seinen Beitrag zum Sparen leisten würde und angesichts der budgetären Engpässe auf eine Gehaltserhöhung 2012/13 verzichtet wird. Und da will mir jemand erklären, dass dies nicht bereits während der vorangegangenen Verhandlungen ausgeschnapst und „part of the game“ war? Naiv müsste ich sein, dies zu glauben.
Jetzt kam besagter Jahreswechsel und manch öffentlich Bediensteter ist völlig konsterniert, heuer keine Gehaltserhöhung zu bekommen. Viele von ihnen wären wohl glücklich, hätte es die völlig überzogenen 3,irgendwas Prozent schön aufgeteilt auf zwei Jahre gegeben – damit ließe sich die real wahrgenommene Inflation wohl besser bewältigen. Noch amüsanter war jedoch, dass sich manche Teilgruppen wie die Wiener Schulwarte oder die Salzburger Spitalsbediensteten plötzlich nicht mehr an den Frühjahrsdeal gebunden fühlten, und vehement eine Sonderbehandlung forderte. Wer weiß, vielleicht hat der Oberguru der Sozialpartnerschaft wieder ein offenes Ohr für solche Anliegen...

robe

Dienstag, 25. Dezember 2012

Volksbefragungsfarce

In drei Wochen findet in Österreich die Abstimmung über die Beibehaltung oder Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht statt – soweit so gut. Damit wird eine der weitreichendsten Entscheidungen seit dem EU-Beitritt getroffen oder zumindest eine tagespolitische Frage zur Beantwortung dem Volk übertragen. Die Intensität der Wichtigkeit wird von vielen unterschiedlich bewertet und liegt wohl irgendwo dazwischen.

General Sinnlos hat uns in den letzten Wochen und Monaten Einblicke in seine subjektiven Erfahrungen mit dem Bundesheer vermittelt. Nun möchte ich mich ein wenig ernsthafter der Thematik widmen.

Bevor ich mich in einem meiner nächsten Beiträge inhaltlich mit der Frage auseinandersetze, zunächst einige Gedanken zu den Rahmenbedingungen. Viele davon sind weniger quergedacht, sondern mitunter bereits mainstreamig mehrfach öffentlich hinauf und hinunterzitiert.

Worum geht’s eigentlich?
Das erschreckendste bei der Abstimmung ist, dass die Frage über die Abschaffung oder Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht fast ausschließlich polemisch über den Zivildienst geführt wird. Es gibt keine Verpflichtung zum Zivildienst, dieser hat sich lediglich historisch als Alternative (zunächst aus moralischen Gründen) herausentwickelt. Dass nun, bei dessen Wegfall der gesamte Sozialstaat zusammenbrechen soll ist ja für sich schon mal in Frage zu stellen, aber dass der Zivildienst als Argument für die Beibehaltung des Bundesheeres herhalten muss, ruft bei mir massives Kopfschütteln hervor.

Interessant erscheint mir auch, dass stets nur über Wehrpflicht (Zivildienst) ja/nein diskutiert wird, doch sich niemand ernsthaft darüber Gedanken zu machen scheint, welche Aufgaben, unter welchen Bedingungen wir dort jeweils erfüllt haben wollen.
• Beim Bundesheer: Was sollen in Zukunft die Aufgaben des österreichischen Militärs sein? Welche Bedrohungsszenarien/potenziellen Einsatzaufgaben gibt es und was braucht man um diese zu bewerkstelligen?
• Beim Zivildienst: Wie sollte der Sozialstaat Österreich strukturiert und aufgestellt sein? Was soll professionell, was ehrenamtlich erledigt werden?
• Allgemein: Wie soll der Zivilschutz (organisatorisch/personell) ausgestaltet sein?

Stärkung der direkten Demokratie
Verkauft wird dem Wahl- und Staatsvolk die Abstimmung (ja, ich weiß, es ist nur eine Volksbefragung, doch die Regierungsparteien haben dem Ergebnis bindenden Charakter zugesichert) als Bürgerbeteiligung in wichtigen Fragen. Tatsächlich jedoch ist die Politik zu feige oder unwillens, selbst eine Entscheidung zu treffen, bzw. haben es die Koalitionsparteien in der Vergangenheit nicht geschafft, bei diesem Thema eine Einigung zu erzielen. Dies darf jedoch nicht davon ablenken dass es einen gewählten Nationalrat gibt, der als Vertretung des Volkes über solche Sachen zu entscheiden hätte.

Warum wird gerade beim Militär die Bevölkerung befragt? Gibt es nicht auch andere entscheidende Themen, bei denen eine Bürgerbeteiligung anzudenken wäre? Wie steht es um den dem Bildungsbereich? Hat die Einführung der flächendeckenden Mittelschule oder der Studiengebühren nicht ebenso große gesellschaftliche Folgen? Was ist mit der Gesundheitspolitik? Sollten wir nicht auch mitreden dürfen, wenn es darum geht wann ich wo welche Leistung für welche Kosten erhalten kann? Und wenn wir so weiterüberlegen – wo ziehen wir die Grenze?
Walkampfstimmung

Viel erschütternder ist jedoch die Tatsache, dass sich die Abstimmung zu einer reinen parteipolitischen Wahlkampf-Farce verkommt. Das Thema sollte eigentlich viel zu wichtig sein, um es als Lagerdebatte zu führen. Dass die linke Reichshälfte aus historischen Gründen eigentlich gegen ein Berufsheer sein müsste (und immer war), nun aber in diesem das Allheil sieht, ist nur ein amüsantes Detail am Rande.
Und so werden auch munter diverse Vereinigungen instrumentalisiert, um ihre Mitglieder pro oder contra Wehrpflicht moralisch zu verpflichten. Inhaltlich nachvollziehbar ist dies jedoch keineswegs mehr, denn was hat diese Abstimmung mit den Interessen eines Sportvereins, einer Autofahrervereinigung oder einer Gewerkschaftsgruppierung zu tun? Trotzdem müssen diese derzeit mitunter sogar gegen ihre eigenen Werte parteipolitisch agieren. Absurd erscheint dies vor allem am Beispiel der Gewerkschaft: Potenzielle Berufssoldaten und Arbeiter im dann angedachten Sozialdienst wären als künftige Mitglieder interessant. Ein Grundwehrdiener oder Zivildiener ist nur in den seltensten Fällen Gewerkschaftsmitglied. Dennoch bezieht eine Gewerkschaftsfraktion massiv Position für die Beibehaltung des aktuellen Systems. Dies ist wieder ein wunderbares Beispiel für parteipolitischen, blinden Gehorsam in unserem Land...
Direkte Demokratie ja, aber richtig

robe

Nächstenliebe

Am Nachmittag des Heiligen Abend war ich in einer Nachbarortschaft am Grab eines Freundes. Ich wollte für den Rückweg nicht eine Stunde auf den nächsten Zug warten und so beschloss ich zum Ersten Mal per Anhalter zu fahren. Dies sollte – so dachte ich – an einem Tag wie diesem nicht besonders schwer sein. Ich hatte allerdings die Rechnung ohne meine Mitmenschen gemacht.
Gezählte 24 Autos sind an mir und meinem ausgestreckten Daumen vorbeigefahren. So habe ich mich bereits auf einen entspannten Fußmarsch eingestellt. 45 Minuten und gut 4 km später (ich war also quasi schon wieder fast zuhause) hat das 25. Auto im Nebel angehalten.

Unerwartete Hilfe
Wer war bereit mich mitzunehmen? Es waren nicht die Audis, BMWs oder Mercedes oder ein Mittelklassewagen eines Mitbürgers am Weg zur Weihnachtsfeier. Es war niemand, der wahrscheinlich nur all zu gut die Weihnachtsgeschichte rund um Mr. Scrooge kennt. Es war ein in die Jahre gekommener Kleinwagen – am Steuer saß jemand mit nicht gut sprechen deutsch, auf der Rückbank zwei Kleinkinder vorbildlichst im Kindersitz angegurtet. Während all die anderen vielleicht um ihr Auto oder ihr Bargeld fürchteten, weil sich ein Landstreicher etwa gerade den ersten Weihnachtstag für einen Überfall ausgesucht hatte, war das Risiko meines Chauffeurs viel größer – er hätte im Ernstfall seine beiden Kinder gefährdet.
In meiner Heimat angekommen bedankte ich mich freundlich für die geleistete Hilfe und reichte ihm einen kleinen Geldschein. Er wehrte heftig gestikulierend ab und verwies auf seine freizügige Hilfsbereitschaft „weil ist ja Weihnachten“. Ich bestand darauf und bat ihn, den Kindern etwas Nettes zu kaufen.
Ich glaube, mein Chauffeur hat sich heute dreifach gefreut: einmal, weil er einem Fremden Gutes getan hat; einmal, weil er aus dieser Situation keinen eventuell drohenden Nachteil erlitten hat; und einmal, weil sich ein Fremder für eine Selbstverständlichkeit am Heiligen Abend überaus erkenntlich gezeigt hat.
All jene, die an mir vorbeigefahren sind, hatten vielleicht bei der Weiterfahrt und zuhause vor dem Christbaum oder später in der Weihnachtsmette ein schlechtes Gewissen wegen ihres Egoismus. Vielleicht haben sie dieses Gewissen bei der Kirchenkollekte versucht wieder reinzukaufen, doch eine anonyme Spende hat nie das Gewicht einer realen Tat.

In diesem Sinne: Friede und Freude allen Menschen auf Gottes Erden.

robe

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